Nach dem Kauf der DJI Spark war es natürlich eine Folgeerscheinung, sich auch mit Videoschneidprogrammen zu beschäftigen. Ich bin seit 2003 primär in der Fotografie unterwegs und hatte mich nur sporadisch mit der Videobearbeitung beschäftigt, zuletzt mit Wondershare Filmora. Das Programm ist recht gut für die schnelle Zusammenstellung von Videos für YouTube und weist im Full Editing Mode durchaus zahlreiche Möglichkeiten auf, im Endeffekt ist es aber kein Vergleich zum Klassenprimus & Platzhirsch: Adobe Premiere Pro (Pr). Für mehr Möglichkeiten & Kontrolle kommt man nicht drum herum, auch wegen einem anderem “kleinen” Detail: So ziemlich jeder nutzt Pr, deswegen gibt es im Internet tonnenweise Tutorials. Das ist nicht unwichtig, da Pr wie auch die anderen Programme der Adobe Creative Cloud für Beginner/Einsteiger ziemlich verwirrend und kompliziert ist. Einen Übergang oder Effekt hinzubekommen ist recht einfach – wenn man weiß wie es geht… 😆  😛

Ich hatte vorher das Adobe CC Fotografie-Abo und Acrobat Pro. Nach einigem Überlegen und Durchrechnen war es nicht sinnvoll, auch noch Premiere Pro dazu zu nehmen – weil das zusammengerechnet genauso teuer wäre wie das Abo für die gesamte Creative Cloud! Ich habe mich letztendlich für Adobe Creative Cloud mit 100GB Cloudspace entschieden. Die Option mit 1TB Speicher war mir zu teuer bzw brauche ich die Cloud nicht als File-Backup noch bearbeite ich Fotos unterwegs. 😉

 

Ich war auch schon immer fasziniert von Motion Tracking, wo Text oder Objekte an Oberflächen angeheftet sind oder an bewegte Objekte. Kurz gesagt: Interessanter als nur statischer Text. Natürlich standen erstmal Tutorials auf der Tagesordnung, das Video hier von Justin Odisho ließ mir ein Licht aufgehen:

 

Das Video hier war mein erster Test:

 

Dann rannte ich in ein Problem mit dem Videomaterial von meiner Sony A6000 mit Full HD AVCHD bzw XAVC-S: Clips mit mehr als 25 Sekunden ließen bei “Track Camera” After Effects CC abstürzen oder es gab sonstige Fehlermeldungen.

 

Im Adobe Support Forum brachte mich jemand auf den richtigen Weg. Der Knackpunkt ist, daß der Camera Tracker (für 3D-Text) von After Effects CC mit langen Clips schlichtweg überfordert ist, wenn ein 3D-Mapping von z.B. über 2000 Frames erfolgen soll und dabei noch viel Kamerabewegung erfolgt ist. Der Kniff dabei ist es, nicht den ganzen Clip zu analysieren, sondern in meinem Fall kurze Snippets von 100-300 Frames. Das reduziert die Chance eines Crashes und beschleunigt die 3D-Analyse ungemein.

Und da kommt ein weiterer Kunstgriff zum Tragen, der die Interaktion zwischen Premiere Pro und After Effects ungemein beschleunigt: Dynamic Link. Anstatt die Snippets zu exportieren, in Ae zu bearbeiten, dort zu exportieren und wieder in Pr zu importieren, schafft man einen dynamischen Link direkt aus Pr heraus. Dabei bearbeitet man den Snippet in Ae und die Änderungen tauchen sofort in Pr auf. Das ist eine wahnsinnige Erleichterung und beschleunigt den Workflow ungemein! Zumindest wenn man das Prinzip erstmal verstanden hat… 😛

Und wie macht man das nun? Ganz einfach: Die gewünschte Sektion ausschneiden und an Ae schicken! Mit dem Cut-Tool (C) zwei Schnitte machen und auf eine separate Videospur ziehen (mit V auf den Zeiger umschalten), dann das originale Snippet mit Rechtsklick –> “Enable” deaktivieren. Es dient der Sicherheit, das bearbeitete Snippet zu separieren. Denn wenn irgendwas schief läuft oder man eine komplett neue Bearbeitung starten will, dann braucht man nicht den ganzen Originalclip neu zu importieren und muss die ganze Bearbeitung von neuem starten. Mit Rechtsklick –> “Replace With After Effects Composition” sendet man das Snippet an Ae. Es öffnet sich After Effects und fragt nach dem Namen, unter dem die Ae Project File gespeichert werden soll, hier am besten den gleichen Namen vom Pr Projekt nehmen. Das ist wichtig, dazu weiter unten mehr.

 

Wichtig dabei ist auch das Verständnis der Project Files von beiden Programmen. Der Dynamic Link in Pr verweist auf auf die Ae Project File, die man beim ersten Bearbeiten benannt hat. Das ist keine temporäre Sache, sondern man kann das Projekt auch noch Tage & Wochen später öffnen und bearbeiten. Mit Rechtsklick auf das pinke Snippet –> “Edit Original” öffnet sich Ae und man kann die Bearbeitung fortsetzen. Dabei sind sämtliche verlinkte Snippets in Ae als Tabs angeordnet, man kann also jedes einzelne Teil im Dynamic Link bearbeiten.

 

Mit “Track Camera” wird vom Clip eine 3D-Analyse erstellt. After Effects errechnet von Frame zu Frame die Winkel der Oberflächen und die Distanz der Tracking Points. So bleibt der angeheftete Text (oder Objekt/Grafik) treu im Winkel und der Größe, unabhängig von der Kamerabewegung.

 

So kann das dann ausschauen: 😉


Die zweite Art des Motion Tracking ist das eigentliche Motion Tracking, hier “Track Motion” genannt. Dabei hat man eine Box, die man verschieben und in der Größe verändern kann. Ae verfolgt die Kontrastpunkte innerhalb dieser Box und erstellt in der Analyse die Tracking Points für den Clip. Das innere Kästchen ist dabei das zu 100% zu verfolgende Objekt, der Kasten außen herum zieht dabei mehr Pixel in Betracht und ist als Hilfe zur Verbesserung des Trackings zu sehen, da hier ein größerer Kontext besteht bzw mehr Kontrastpunkte.

Einen Text an die Tracking Points anzuheften erfordert hier etwas mehr Arbeit. Man muss ein “Null Object” erstellen, dieses mit den Tracking Points auf X & Y Axis verknüpfen und dann den Text oder das Objekt mit dem Null Object verknüpfen.

 

 

Während der Motion Tracker gut in der horizontalen Ebene arbeitet, ist das Scaling passend zur Entfernung nicht für jeden Clip geeignet. Ae nutzt für Entfernung (und Drehung) einen zweiten Tracking Point, in dessen Relation zum verfolgten Objekt die Größenänderung berechnet wird. Kameraschwenks mag das System nicht wirklich, auch ist die Größenänderung nicht proportional in diesem kurzen Testclip.


Eins darf in einem Video natürlich auch nicht fehlen: Ton und Musik. Im Audio-Tab von Premiere Pro kann man die Level pro Audiospur und insgesamt (Master) festlegen. Dabei ziehe ich die Musik auf -9 dB herunter, auch die Audiospur der Kamera. Ich kann es nämlich auf den Tod nicht ausstehen, wenn ein YouTube-Video auf voller Lautstärke so laut ist, daß die Tassen im Schrank wackeln. Was gerade bei Intro-Jingles total nervig ist. Das ist der gleiche Effekt wie bei Kino-Filmen: Hört man die Sprache mit einer guten Lautstärke, bläst einem die einsetzende Musik die Ohren weg…  😛

Btw: Eine gute Faustregel scheint zu sein: -6 dB für Sprache, während die Musik mit -12 dB in Hintergrund dudelt. Wie gesagt, -9 dB für nur Musik scheint ganz gut zu funktionieren. Bei mir peakt der Masterkanal dann bei -9 bis -7 dB… 😉

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