Für das Stadtrad hatte ich schon lange mal mit einem Pedelec-Antrieb geliebäugelt, aber mit einem Nachrüstsatz ist man schnell auch mal mit 1500€ dabei. Und ein komplett neues Pedelec mit gescheiter Ausstattung ist auch nicht gerade günstig. Jetzt hat sich aber eine Möglichkeit zur Finanzierung ergeben und so landete ich schnell im Shop von Fahrrad-XXL. Bzw hatte ich mich ja schon vorher konkret über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Antriebsarten belesen und bin zum Schluss gekommen, daß ein Mittelmotor der beste Kompromiss ist. Nabenmotoren haben ein zu schmales Geschwindigkeitsfenster, in dem sie effizient arbeiten. Getriebemotoren arbeiten gut von unten raus und haben dort ein brauchbares Drehmoment, arbeiten aber bei Reisegeschwindigkeit ineffizient. Die großen Brushless-Motoren arbeiten dagegen nur bei Reisegeschwindigkeit effizient und haben bergauf (also bei geringerer Drehzahl) wenig Drehmoment. Einem Mittelmotor ist das relativ wurscht – hier kann man ihn mittels der Gangschaltung in einem optimalen Drehzahlfenster halten. Nachteil ist natürlich, daß die Leistung auf den Antrieb geht, der Verschleiß der Komponenten wie z.B. Kette ist höher.

Mit diesem Wissen war die Ausstattungsvariante klar: Scheibenbremsen, Nabenschaltung und Riemenantrieb. 😉

Entschieden habe ich mich dann letztenendes für das Kalkhoff Integrale i8 2017. Geliefert wurde das Fahrrad von GEL-Express in einem kleinen handlichen Karton *hüstel* (30kg!)  😆  😛

 

 

Nach einem mittelschweren Kampf mit dem Karton konnte ich das zarte Prachtstück in Augenschein nehmen. Die ganzen 26 Kilogramm davon! 😮  😛

 

 

Die Überraschung: Kalkhoff hat den Gates Snubber im Ausfallende mit integriert! Sehr praktisch! 😎

 

 

Disclaimer: Die Aufkleber von DT Swiss sind nicht so lasch gefertigt, sondern das Dingens ist eine Schutzfolie über dem Felgenaufkleber… 😉

 

 

Japp, die Befestigungslöcher in den Sitzstreben sind vorhanden, aber auf der Unterseite. So stören sie das Design nicht. An ihnen kann man z.B. ein Rahmenschloss befestigen.

 

 

In dem einen Karton ist das Zubehör für das Fahrrad drin. In dem anderen ist ein Kettenschloss von Abus, das als Sicherheitsvorgabe mitgeliefert wurde.

 

 

Dann stand erstmal Lenker auspacken & anschrauben auf der Agenda. Der Lenker wird mit 4 Schrauben an dem zweiteiligen Verstellvorbau von Concept befestigt.

 

 

 

Der Akku hat 36 V und 603 Wh. Das Ladegerät liefert 42 V und 4 A Ladestrom. Der Deckel der Ladebuchse ist nichtmal festgeschraubt, sondern wird magnetisch gehalten – genauso wie der Ladestecker.

 

 

Display und Bedientaster sind über 4-polige Stecker mit dem Kabelbaum verbunden.

 

 

Die Software des Impulse Evo RS ist vielfältig einstellbar. So kann man z.B. die Empfindlichkeit des Drehmomentsensors oder das Leistungsprofil des Motors einstellen. Der Shiftsensor unterbricht die Motorunterstützung während des Schaltvorganges. Auch kann man die Dauer des Standlichtes einstellen, nachdem man den Impulse ausgeschalten hat.

Die Schiebehilfe hat keinen dedizierten Taster, sondern wird durch 3-sekündiges Drücken der + Taste aktiviert. Wie üblich wird je nach eingelegtem Gang bis 6 km/h unterstützt.

 

 

 

Die integrierte Beleuchtung wird vom Akku gespeist. Die Frontlampe kann man auch mit einem Knopf am Lampenkopf ausschalten. Interessantes Detail: Am Tag regelt die Lampe die Helligkeit runter (Tagfahrlicht), im Dunkeln hat sie die volle Helligkeit.

 

 

Interessante Details: Der Ständer ist sehr stabil ausgeführt. Die RST Federgabel wird mittels Luftdruck eingestellt. Als Griffe sind Ergon GP1 verbaut. Und der Sattel von Concept ist erstaunlich bequem… 😉

 

 

 

Noch ein interessantes Detail: Durch die Tropfenform des Sattelrohres hat Kalkhoff eine andere Art der Sattelstützenklemmung verwendet. Und zwar drückt hier ein Keil an die Sattelstütze und realisiert so die Klemmung.

 

 

 

Auf dem Weg zur Arbeit er-fuhr ich dann die ersten Kilometer. Wow, was für ein Unterschied zu meinem bisherigen Stadtrad! Das Kalkhoff rollt gut, auch ohne Antrieb. Die 50er BigBen dämpfen auch in 28″ Größe gut was weg. In der Kurve merkt man aber eindeutig die größeren Laufräder im Vergleich zu 26″ und vor allem das Gewicht. Es ist kein Aufstellmoment vorhanden, aber schnelle Kurven muss man mit Nachdruck einleiten. Ansonsten hilft es dabei natürlich, daß die großen Gewichte wie Motor & Akku relativ weit unten und zwischen den Achsen ziemlich mittig liegen. Beim Tragen gibt es jedenfalls keine Tendenz Richtung Vorderrad oder Hinterrad, die Gewichtsverteilung ist da sehr neutral. 😎

Im Sportmodus (und Motormanagement auf „Dynamic“) wird bis 27 km/h laut Tacho doch recht deutlich unterstützt, die höheren Stufen habe ich noch nicht getestet. Allerdings bekommt man auch etwa 5 Balken Unterstützung, wenn man kräftiger in die Pedale tritt – in der Kurbel ist schließlich ein Drehmomentsensor untergebracht.

Der Antrieb an sich ist recht leise, aber hörbar. Durch den Gates Riemen hat man nicht das übliche Kettenklackern. Dafür macht sich der Motor manchmal in höheren Unterstützungsstufen bemerkbar mit einem metallischen Scheppern, klingt wie ein loses Blech oder so ähnlich. Muss ich mal noch weiter testen. Das berühmtberüchtigte laute metallische Knacken der Impulse habe ich ab und zu auch schon gehabt, allerdings ist das bei mir eindeutig der Kurbel-Freilauf, der da in den Situationen wohl nicht richtig gegriffen hat. Leertritt hatte ich da aber nicht gehabt. Nach kurzem Innehalten und dann Weiterkurbeln war das Knacken weg. In Gang 6 und 7 kann ich es jedenfalls nicht zuverlässig reproduzieren, es tritt nur sporadisch auf…

Selbst im Sportmodus ist die Motorunterstützung im Stadtverkehr eine Wohltat. Anfahren in Gang 3, Hochschalten in Gang 5 und 6 und schon ist man entspannt mit 26 km/h unterwegs. Den einen steilen Berg konnte ich bequem im Stattel und Gang 1 hochkurbeln, während ich da mit dem normalen Rad sonst nur im Wiegeschritt oder schiebend rauf kam – wow! 😮  😎

 

 

 

 

 

 

Da hat ein Kettenschloss nunmal Vorteile: Man kann es simpel um Pfosten legen. 😎

 

 

Nach der Spätschicht war es natürlich draußen dunkel und so konnte ich gleich auch noch die Lichtanlage testen. Der Lichtkegel ist zwar nicht ganz gleichmäßig ausgeleuchtet, dafür aber seitlich begrenzt und mit einem „Lichtteppich“ vom Vorderrad bis in etwa 30m Entfernung je nach Ausrichtung des Lampenkopfes – hier herrscht definitiv kein „Tunnelblick“. 😎

 

 

Die Bedientaster sind übrigens blau beleuchtet (das kommt auf dem Foto nicht rüber), so findet man sich auch im Dunkeln gut zurecht. Die Displaybeleuchtung geht automatisch an, sobald man losfährt. Dessen Helligkeit kann man im Menü auch einstellen.

Apropos: Auf das Einstellungsmenü kann man während der Fahrt nicht zugreifen, das geht nur im Stillstand – clever gemacht! 😀


 

Update

Die erste Ladung vom Akku ist aufgebraucht! Nach etwa 60km Schongang im Modus „Sport“ habe ich an Bergen dann auch „Power“ und „Ultra“ genutzt. Die Restkilometeranzeige ist jetzt schon erstaunlich genau, nach knapp 125 Kilometern war der Akku leer. 😎

Von komplett leer bis voll geladen braucht das mitgelieferte Ladegerät (42V/4A) etwa 5 Stunden. Auf den Standort sollte man acht geben, das Ladegerät wird beim Laden ziemlich heiß.

Ein Gedanke zu „Unter Strom: Kalkhoff Integrale i8 2017

  1. Hallo,
    Eine sehr umfangreiche und detaillierte Beschreibung
    Ich habe das gleiche Rad im Frühjahr 2017 gekauft.
    Nach nunmehr ca. 1500km habe ich bei stärkerer Pedalbelastung (Bergfahrten) deutliche Knackgeräusche aus dem Motor kommend.
    Die Knackgeräusche treten jedoch nur auf, wenn der Motor unterstützt. Wenn ich oberhalb der Unterstützung trete oder die Unterstützung abschalte, gibt es auch keine Knackgeräusche.

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