Fotografie

Alles Vollformat oder was?

Es ist das alte Leid: Das Bessere ist des Guten Feind. Oder: Als langjähriger Nutzer der “kleinen” Kamerasensoren schielt man natürlich immer mal wieder zum großen Bruder, dem 35mm Vollformat-Sensor. Dabei entsteht zwangsläufig ein Zwiespalt:

-Bleibe ich bei meiner APS-C Kamera?

-Wechsle ich komplett auf Vollformat?

-Nutze ich beide Formate nebeneinander?

Dabei sollte man sich tiefer mit der Materie beschäftigen, denn: Eine Vollformatkamera macht nicht zwangsläufig “bessere” Bilder… 😉

 

APS-C vs Vollformat

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Beim Sony E-Mount sieht man gut die Unterschiede in der Größe der Sensoren. Der Sensor der A7R II ist eben 1,5x größer als der der A6000. Die Sony A7 war 2013 eine der ersten Mirrorless-Kameras, die einen Vollformat-Sensor in das kleine Gehäuse gestopft haben und somit langsam eine ernstzunehmende Konkurrenz zu den Spiegelreflexkameras (DSLR) wurden. Seitdem hat Sony diese Reihe immer mehr ausgebaut: A7 als “normaler” Sensor, A7R als Pixelmonster mit hoher Auflösung, A7S mit ultrahoher Lichtempfindlichkeit:

A7: 24 MP, rein mechanischer Verschluss

A7R: 36 MP, rein mechanischer Verschluss

A7S: 12 MP, rein mechanischer Verschluss, hohe Licht-Empfindlichkeit bis ISO 409600

A7 II: 24 MP, IBIS (Sensor-Stabilisierung)

A7R II: 42 MP, IBIS (Sensor-Stabilisierung), hohe Licht-Empfindlichkeit bis ISO 102400

A7S II: 12 MP, IBIS (Sensor-Stabilisierung), hohe Licht-Empfindlichkeit bis ISO 409600

 

Soviel zur Terminologie bei Sony. Kommen wir zur wichtigsten Frage: “Brauche” ich eine Vollformatkamera? Nun, das kommt darauf an, was man fotografieren will. Dazu muss man erstmal die grundsätzlichen Unterschiede beider Sensoren verstehen. Im Vergleich zum Vollformat hat APS-C folgende Effekte:

-einen Crop-Faktor von 1,5x (der Bildwinkel ist kleiner, man “zoomt” also 1,5-fach hinein)

-eine höhere Tiefenschärfe (die Blenden-Angabe eines Objektives muss auch um den Crop-Faktor multipliziert werden)

-bei gleicher Megapixel-Anzahl ein um eine ISO-Stufe höheres Rauschen

Das heißt also, daß ein 50mm F1.8 Objektiv am Vollformat die selbe Bildwirkung hat wie ein 75mm F2.7 am Crop-Sensor. Und das 70-200/2.8 ist plötzlich ein 105-300/4.2.  Oder anders gesagt: Am Vollformat bekommt man mehr Hintergrundunschärfe, was ja speziell bei Portraitfotografen erwünscht ist. Andersrum haben Crop-Sensoren Vorteile in der Makrofotografie wegen der höheren Tiefenschärfe und bei Teleobjektiven ist man im Vergleich 1,5-fach näher am Geschehen dran. Klingt ziemlich verwirrend, iss aber so… 😉

 

Was natürlich der ziemlich entscheidende Faktor für die meisten sein dürfte: Geld! Eine Vollausstattung im Vollformat ist verdammt teuer, jedenfalls deutlich (!) teurer als bei den Crop-Kameras. Wobei es bei Sony mittlerweile vom Preis her nicht mehr ganz so eindeutig ist. Bestes Beispiel: Die brandneue A6500 kostet Body only 1700€. Für den Preis bekommt man im Vollformat die A7 II + SEL2870

 

Da die heutigen Crop-Kameras ziemlich gut geworden sind, kann man die Gründe für Vollformat so beschreiben:

-Wenn man unbedingt mehr Hintergrundunschärfe braucht (z.B. Portraits)

-Wenn man ein etwas rauschärmeres Bild benötigt

-Wenn man ultrahohe Auflösung braucht (A7R, A7R II), z.B. auch um nachträglich ohne große Qualitätsverluste weit ins Bild reinzucroppen

 

Für eine recht praktische Einschätzung ist auch der Artikel von Jay lesenswert:

http://sonyalphalab.com/sony-full-frame-vs-aps-c-using-e-mount-zeiss-f4-oss-zoom-lenses/

 


 

Fortschreitende Technologie, oder: Die eierlegende Wollmilchsau

Die Technologie bleibt nicht stehen und gerade Sony bringt spätestens alle 2 Jahre eine neue Kamerageneration heraus. Aktuelles Flaggschiff ist die brachial teure, aber auch brachial gute A7R II:

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-42 MP Sensor

-IBIS (Sensor-Stabilisierung)

-399 Autofokus-Punkte

-Elektronischer Verschluss mit Möglichkeit zur geräuschlosen Auslösung

Die Kamera vereint quasi die besten Teile der A7-Serie: Ultrahochauflösender Vollformat-Sensor, optische Stabilisierung des Sensors, ein schnelles + präzises Autofokussystem. Auch DXOMark bestätigt dem Sensor beste Eigenschaften. Ich habe mal einen Vergleich mit der A6000 und der A7 II gemacht. Die A7R II hat in allen Bereichen einen höheren Dynamikumfang, mehr Details und rauscht bei höheren ISO-Stufen weniger:

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3 Gedanken zu „Alles Vollformat oder was?

  1. Hi,
    cooler Blog 🙂

    Hab selbst eine Alpha 7 II mit Kit-Obj. und Makro SEL-90M28G.
    Was mir auffällt (und auch anderen), dass die Alpha zwar für Portrait und Landschaften gut ist, aber bei etwas “dynamischen” Gelegenheiten doch etwas träge im AF ist. Deswegen schiele ich ein wenig auf die 6300 als Zweitkamera – angeblich die “schnellste Kamera der Welt” … ok.
    Meine Frage ist aber eigentlich eher theoretischer Natur. Ein VF-Objektiv an der 6300 führt zum Kropping – ein APS-C an der Alpha füllt den Sensor nicht aus – weil Abstand Glas zum Sensor kleiner ist (wie viel mm eigentlich?).
    Was passiert eigentlich, wenn an einen (Macro-)Zwischenring auf die Alpha schraube – kann ich dann nicht auch die APS-C Objektive nutzen?
    Ok – ist vielleicht eine “Newbi”-Frage – aber ich habe schon einige Zeit danach gegoogelt und sehr unterschiedliche Antworten gefunden.
    Das ging von “saublöde Idee” bis könnte evtl. gehen … vielleicht Vignettierungen und keine Unendlich-Einstellung?!
    Mit den besten Grüßen
    Karl

    1. Mahlzeit!

      Danke! 🙂
      Das mit dem trägen AF liegt am Makro-Objektiv, der AF ist für Sport einfach nicht ausgelegt. Die beste Kombo wäre wohl eine A6500 oder A7RII mit dem SEL70200G oder SEL70200GM. Was anders hat Sony nicht im Programm, was für schnelle Sachen adäquat ist. Der limitierende Faktor ist derzeit eben noch die AF-Sensoren auf dem Chip. DSLRs haben aktuell noch den schnelleren & präziseren Autofokus, weil dieses ein separates Modul ist und außerdem bei Offenblende fokussiert.
      Um nichts in der Welt würde ich aber meine A6000 missen! Durch die kompakten Ausmaße habe ich die schlichtweg öfters dabei und wenn man die Limitation kennt, dann wird man auch nicht überrascht… 😉

      Ansonsten stelle deine Fragen doch nochmal im SonyUserForum und DSLR-Forum, da bekommst du vielleicht noch mehr Input… 😉
      http://www.sonyuserforum.de/forum/index.php
      http://www.dslr-forum.de/forumdisplay.php?f=198

  2. Hallo Karl,

    bei Dir hat sich folgender Denkfehler eingeschlichen. Und zwar dass der Abstand zwischen Objektiv und Sensor vom Format abhängig ist.
    Dies ist nicht richtig. Die Bezeichnung für den Abstand ist übrigens das Auflagemaß. Dieses beeinflusst im Zusammenhang mit dem Bajonettdurchmesser die größtmögliche auszuleuchtende Fläche, aber hat primär nichts mit dieser zu tun.
    Und hier kommt direkt der springende Punkt: Sowohl A7, als auch A6300 benutzen das gleiche Bajonett: Den E-Mount.
    Dieses hat – wie alle anderen Bajonetttypen – ein definiertes Auflagemaß und einen definierten Durchmesser.

    Kleinbildobjektive werden am Aps-C-Sensor nicht gecropt. Die Brennweite ist eine physikalische Einheit und bleibt immer gleich, egal, wie groß der Sensor ist. Es macht keinen Unterschied, ob das Objektiv für Aps-C, Kleinbild, Mittelformat, Großformat ect. pp. gerechnet ist. Brennweite bleibt Brennweite. Je nach Sensorfläche dahinter verändert sich der Bildwinkel, allerdings bildet jedes Objektiv mit der gleichen Brennweite an jedem dieser Sensoren gleich ab.
    Aps-C-Objektive sind einfach für einen kleineren Bildkreis gerechnet. Die Fläche, die hinter dem Objektiv bestrahlt wird, ist kleiner, als bei einem Objektiv für Kleinbildsensoren. Dadurch benötigt man weniger Glas, das Objektiv wird kleiner und leichter.
    Die Idee, über Zwischenringe den Bildkreis zu erhöhen würde tatsächlich funktionieren. Allerdings bist du dann im absolutesten Nahbereich unterwegs, da das Auflagemaß des Objektivs damit erhöht wird, was zur Folge hat, dass der Strahlengang weiter hinten vom Sensor abgefangen wird und damit der Bildkreis größer wird. Allerdings eben auch der Brennpunkt um einiges verschoben wird. So ist es für normale Fotografie nicht zu gebrauchen. Außerdem leidet die Abbildungsleistung doch enorm unter Späßchen wie Zwischenringen.

    Liebe Grüße,
    Thomasius

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